Tag: zielgruppen

Nutzererwartungen

Auf den zukünftigen Besucher zugeschnittene Internetpräsenzen erfordern, neben der Betrachtung der Zielgruppenstruktur, die Feststellung der inhaltlichen Haupterwartungen an den Auftritt. Durch diese Vorgehensweise können bereits erste Rückschlüsse auf die späteren Kernfunktionalitäten der Website gezogen werden.

Bei einer Internetpräsenz rund um die Solarenergie ergeben sich nach kurzer Betrachtung schwerpunktmäßig folgende Nutzerszenarien:

  • Allgemeine Informationen über die Aktiengesellschaft nordEnergie (über das Unter-nehmen an sich, Firmengeschichte, Produkte (Anlagen), Referenzen, Neuigkeiten etc.) und das Thema Photovoltaik (Erklärungen zu Solarenergie, technische Informationen usw.) erhalten.
  • Detaillierte Informationen zu dem Leistungsspektrum und der Arbeitsweise der nordEnergie AG erhalten.
  • Über die Website als Interessent in Kontakt treten

Das allgemeine Informationsangebot über das Unternehmen selbst spielt gerade bei einem jungen Anbieter, welcher neu im Geschäft ist, eine große Rolle. Es muss eine Ver-trauensbasis zum Betrachter geschaffen werden, um die noch kurze Marktpräsenz wett zu machen. Der Nutzer erwartet Details zu der Firmengeschichte, den Mitarbeitern, dem Standort, der Unternehmensphilosophie usw., die redaktionell aufgearbeitet und perfekt zusammengestellt sind, um ihn von der Kompetenz und Seriosität der nordEnergie zu überzeugen. Neuigkeiten halten die Internetseite aktuell sowie interessant und dokumentieren das stetige Wachstum der nordEnergie AG zusätzlich.

Absolut notwendig sind weit reichende Informationen, Erklärungen und Verdeutlichungen der Photovoltaik in textueller sowie zusätzlich unterstützend in grafischer Form. Es ist davon auszugehen, dass die Fachkenntnisse der Thematik als sehr gering bis nicht vorhanden einzuschätzen sind und aus diesem Grund ein großer Informationsbedarf besteht. Dabei ist auf einfache Verständlichkeit, gute Lesbarkeit und Simplizität der bereitgestellten Text- und Bildinformationen besonderer Wert zu legen. Das Medium „Internet“ hat eigene Regeln für die Informationsaufnahme des Users am Bildschirm und der Betrachter als Laie darf unter keinen Umständen mit schwer verständlichen Expertentexten belastet werden. An dieser Stelle ist es höchste Priorität, eine geeignete Darstellungsweise der zweifelsohne komplexen Photovoltaik zu finden. Eine einfache Übernahme der vorhandenen, ursprünglich für den Einsatz in Printmedien ausgelegten Texte darf nicht geschehen. Die Thematik muss für das Web optimal aufbereitet werden.

Des Weiteren möchte der User präzise und umfassend über die Installation einer Photovoltaikanlage informiert werden. Was für Voraussetzungen gegeben sein müssen, welche Leistungen bei einem solchen Vorhaben von der nordEnergie AG übernommen werden, mit welchen Kosten zu rechnen ist und wie lange ein solches Vorhaben üblicherweise dauert, sind nur wenige der Fragen, die dringend geklärt werden müssen. Der komplette Ablauf muss möglichst transparent beschrieben werden, damit im optimalen Fall alle Unklarheiten ausgeräumt sind und der potenzielle Kunde eine genaue Vorstellung der Methodik hat.

Die problemlose Kontaktaufnahme stellt die dritte Kernerwartung an die Webpräsenz dar. Hier kann der Betrachter verschiedene Rollen einnehmen. Denkbar ist der Besucher als Interessent, welcher ein unverbindliches Beratungsgespräch wünscht. Ein weiteres Szenario stellt der Interessent im vorangeschrittenem Stadium dar, der bereits konkrete Vorstellungen und Wünsche entwickelt hat, die nur noch der Umsetzung bedürfen. Über diese zwei Fallbeispiele hinaus sind weitaus mehr Möglichkeiten gegeben. Eine durchdachte Kommunikationsfunktionalität muss vorausgesetzt werden.

Zielgruppen

Im vorausgehenden Strategiepapier wurden bereits die Kernzielgruppe und die weiteren Zielgruppen der Internetpräsentation kurz angeschnitten. Im Vergleich zu anderen Medien sind die Ansprüche auf Nutzerseite heutzutage enorm hoch, da das Web mittlerweile als Werkzeug betrachtet wird, mit dem man verschiedenartige Dinge schnell erledigen kann und kostenlos Informationen zu allen denkbaren Themen findet . Die bloße Nennung der Gruppen im Strategic Brief reicht dementsprechend bei weitem nicht aus, um konkrete und brauchbare Aussagen über die Benutzer machen zu können, welche wiederum bei der Konzeption hilfreich sind.

Zusätzlich zu beachten ist, dass sich oftmals Motive und Bedürfnisse der Zielgruppe weniger demografisch als situations- und rollenspezifisch begründen . Es muss die Aufmerksamkeit der angestrebten Nutzer auf sich gezogen werden. Hierbei kann die Betrachtung der Zielgruppenstruktur enorm behilflich sein.

Angemerkt werden sollte, dass es sich bei den Aussagen, die in diesem Kapitel getroffen werden, eher um Richtungen als um direkte Festlegungen handelt und das Ergebnis realistisch betrachtet eine gewisse Streuung nach oben und unten zulässt.

Dringender Klärung bedürfen folgende Aspekte:

  • Altersstruktur
  • EDV-Kenntnisse/Interneterfahrungen
  • Geschlechterverteilung
  • Allgemeine Bildung
  • Berufsstruktur
  • Fachkenntnisse der Thematik

Um zuverlässige Informationen über diese Charakteristika der Internetnutzer zu erhalten, soll eine Untersuchung eines Marktforschungsinstituts dienen:

  • Internet-Strukturdaten, 1. Quartal 2005 (Stand 04.04.2005), erhoben von der Forschungsgruppe Wahlen. In Telefon-Umfragen erhebt die Forschungsgruppe Wahlen regelmäßigen Strukturdaten zur Internet-Nutzung in Deutschland. Im ersten Quartal 2005 wurden 3.762 Personen im Januar bis März diesen Jahres befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Die im Strategiepapier aufgeführte Kernzielgruppe des Internetauftritts werden Unterneh-mer bzw. Unternehmen als Investoren in Photovoltaikanlagen sein. Als weitere Zielgruppen kommen Landwirte und Privatpersonen bzw. Gruppen von Privatpersonen in Frage. Es sollen nun, durch die Analyse der in der Studie erhobenen Daten unter Berücksichtigung oben genannter Kriterien, Rückschlüsse für die Gestaltung und Konzeption des zukünftigen Internetauftritts gezogen werden.

Internetzugang in den Altersgruppen 2005
Internet-Zugang in den Altersgruppen, Quelle: Internet-Strukturdaten I. Qrt. 2005

Beruft man sich auf die Studie und deren Alterseinteilung, ist von der Altersstruktur her bei entscheidungskompetenten Unternehmern davon auszugehen, dass sich diese Gruppierung größtenteils im Bereich ab minimal 30 Jahren bis 59 Jahren bewegen werden (eine gewisse Streuung nach oben und unten muss berücksichtigt werden und ist, wie bereits einführend angedeutet, sicher realistisch). 78% der 30 bis 39 Jährigen, 76% der 40 bis 49 Jährigen und 67% der 50 bis 59 Jährigen verfügen über einen Zugang zum Internet (diese Anteile liegen mittlerweile nur gering unter denen der Internetnutzer von 18 bis 29 Jahren wie der Abbil-dung zu entnehmen ist). Landwirte und Privatpersonen/Gruppen von Privatpersonen mit den nötigen finanziellen Mitteln für den Bau einer Photovoltaikanlage werden vermutlich in ähnlichen Altersgefilden angesiedelt sein.
Es lässt sich daraus ableiten, dass mindestens ein allgemeines Grundverständnis von internetüblichen Bedien- und Navigationskonzepten bei diesen relativ hohen Anteilen in den Zielgruppen vorausgesetzt werden darf. Wie diese Erfahrungen qualitativ einzuordnen sind, lässt sich allerdings anhand der Grafik nicht genauer feststellen. Bei der Entwicklung und Gestaltung der Internetseite sollte demzufolge zwingend darauf geachtet werden, dass aufgrund des vorangeschrittenen Alters und der nicht einschätzbaren Erfahrungsqualität, ein eher konservativer und wenig experimenteller Konzeptionsansatz, welcher sich neben der Altersstruktur zusätzlich in der seriösen Solarthematik widerspiegelt, verfolgt werden sollte, um den Zielgruppen gerecht zu werden. Nur so kann ein gruppenspezifisch angepasstes, optimales Endergebnis mit leicht verständlichem Strukturaufbau und intuitiv erfassbaren Layoutdimensionen erreicht werden.

Die Geschlechterverteilung sollte bei dem Thema Photovoltaik im Grunde genommen keine dominante Rolle spielen dürfen. 67% Prozent der Männer nutzen das Internet. Dies sind elf Prozentpunkte mehr als bei den Frauen (56%) . Als einzige Schlussfolgerung könnte man rein spekulativ dem männlichen Nutzer als potenziellen Kunden ein höheres Technikinteresse zusprechen, welches allerdings einen leicht diskriminierenden Charakter offenbart und voraussichtlich nicht zum Tragen kommt.

Internet-Zugang in den Bildungsgruppen
Internet-Zugang in den Bildungsgruppen, Quelle: Internet-Strukturdaten I. Qrt.l 2005

Das Diagramm der Internet-Zugänge aufgeschlüsselt nach der allgemeinen Bildung zeigt an, dass mehrheitliche 80% der Personen mit Hochschulreife (entsprechen der Zielgruppe Unternehmer) einen Zugang zum World Wide Web ihr Eigen nennen können. Vier von Fünf Personen aus diesem Bereich nutzen das Internet. Landwirte und Privatpersonen finden sich vereinfacht formuliert in grundsätzlich allen Bildungsgruppen wieder (angefangen bei Hauptschulabsolventen bis hin zur Hochschulreife). An diesem Punkt dürften die Zahlen des 61%igen Durchschnitts in Frage kommen.

Die Erkenntnisse, welche bereits durch Betrachtung der Altersstruktur gewonnen werden konnten, verdichten sich auch bei den Bildungsgruppen weiter zu der Annahme, dass ein sehr ausgeprägtes Interesse an der Verwendungen von webüblichen Kommunikations- und Interaktionsmitteln besteht. Damit verbundenen ist ein recht geübter Umgang mit dem Medium Internet.

Internet-Zugang in den Berufsgruppen 2005
Internet-Zugang in den Berufsgruppen, Quelle: Internet-Strukturdaten I. Qrt. 2005

Die Verteilung der Internet-Zugänge innerhalb der Berufsgruppen lässt weitere Rückschlüsse dahingehend zu, dass das World Wide Web keineswegs ein unbeschriebenes Blatt für den zukünftigen nordEnergie-Seiten-Besucher darstellt, da die Nutzung zum Teil 80% (bei den Selbstständigen) beträgt, wodrunter Unternehmer zweifelsohne einzustufen sind. Leitende Angestellte sind mit 67 Prozentpunkten überdurchschnittlich viel im Internet vertreten, genauso wie die mittleren Angestellten (63%), denen die Zielgruppe der Landwirte und der Privatpersonen entspricht.

Internetzugang unter den Wählern der ... 2005
Internetzugang unter den Wählern der …, Quelle: Internet-Strukturdaten I. Qrt. 2005

Eine interessante Beobachtung lässt sich bei der Analyse der Parteipräferenzen machen. Anhänger der Grünen sind überdurchschnittlich stark im Netz vertreten (84%, der Durchschnitt liegt bei 61%). Rückschlüsse auf die Fachkenntnisse der User lassen sich trotzdem nicht ziehen. Allgemein ist zu vermuten, dass die Fachkenntnisse eher gering ausgeprägt sind und die Inhalte dementsprechend leicht verständlich aufbereitet werden müssen. Des Weiteren ist es unklar, ob sich aus der politischen Gesinnung ein wirklicher Vorteil für einen Internetauftritt mit ökologischen Themen wie der Photovoltaik ableiten lässt. Dies kann nur vermutet werden. Kontraproduktiv dürfte es sich allerdings kaum auswirken. Dennoch: entscheidender für den Erfolg der Webpräsenz wird das auf Grundlage der Betrachtungsergebnisse zu entwickelnde Konzept sein.

Zusammenfassend für diesen Abschnitt lässt sich festhalten, dass durch die Diskussion der Aspekte wie Altersstruktur, Berufsgruppen, Interneterfahrungen usw., die Chance des Pro-jekterfolgs durch den, im Verhältnis gesehen, starken Internetbezug in den anvisierten Ziel-gruppen gegeben ist. Die zukünftigen Leser sind dem Internet allgemein offen gegenüber eingestellt und zeigen deutliches Interesse an dem Angebot, welches möglichst simpel, intuitiv und schlicht angelegt werden sollte.

Zielgruppendefinition

Um die zu entwickelnde Internetpräsenz optimal auf den zukünftigen Nutzer einstellen zu können, ist es notwendig die voraussichtlichen Zielgruppen exakt zu beschreiben, um daraus individuelle Rückschlüsse über die Fähigkeiten, Gewohnheiten und Kenntnisse des Anwenders abzuleiten . So können potenzielle software-ergonomische Schwachstellen des Systems eliminiert und ein höherer Nutzen des Auftritts für Betreiber sowie Betrachter erreicht werden. Des Weiteren ist es für die Zielgruppendefinition erforderlich, die gestellten Erwartungen des Anwenders bei dem Besuch der Internetseite zu benennen sowie die Häufigkeit der Nutzung des Onlineangebots zu berücksichtigen.